info deutsch

Mit den Mitteln der Zeichnung und der Malerei lässt Line Wasner Geschichten

aus den vorgefundenen und erdichteten Spuren in Räumen entstehen.

Sie konstruiert sie in einer Art Gesprächsform zwischen den Bedingungen des Ortes,

dem dort vorgefundenen Material und mitgebrachten Komponenten.

LW pflegt ihre Eingriffe gewissermassen in den Ort ein, so dass sie als

Hinterlassenschaften gelesen werden können.

Malerei versteht sie dabei als Möglichkeit bestehende Zustände achtsam zu

ergänzen. Es ist ein Realisieren von Vorstellungen davon, was auch gut gewesen

sein könnte. Sie sieht sich in diesem Sinne als Gestalterin, die sich der Mittel

der Malerei bedient.

Die erfundenen Hinterlassenschaften verweisen auf verschiedene Autoren, die

zum Zeitpunkt der Betrachtung des Raumes offenbar woanders sein müssen.

Fiktive Personen, die nie sichtbar werden, deren Motive nie ganz geklärt werden

können, könnten genauso gut die Urheber der Arbeit sein und verschaffen sich so

Platz im realen Raum.

Die Entdeckung, dass eine scheinbare Ordnung durch mögliche Realität ergänzt

werden kann, inklusive anderer möglicher Realitäten der Urheberschaft, ist

Motor ihrer Handlungen.

 

info english

Line Wasner is a visual artist living in Berlin.

By using the means of painting and drawing she features the creation

of stories made from found and invented leftovers in rooms.

In a conversational manner between the conditions of the place she works in,

material she finds there and a collection of work that she brings along,

she constructs the story.

The used material points towards beings, that are always already gone,

when she arrives. In the present of the spectators they have left behind

references to their past.

Considering that they have always just left, hints at their existence in the future.

In this context, any reference to the future remains a matter of speculation,

and reality itself becomes a matter of negotiation.

 

 

Line Wasner hat an der Bauhaus Universität Weimar und der Glasgow School of Art

Freie Kunst studiert. Seit 2010 arbeitet sie auch als Theatermalerin.

 

 

Einzelausstellungen:

2015/Liebe und Aneignung, Raum für drastische Maßnahmen, Berlin

2015/Lieber Zeit, liebe Raum, Alter Schlachthof Sigmaringen

2015/ Ächz!, Oel-Früh Cabinet, Hamburg

2011/Verrückte Welt, meine Nase juckt immer noch., Galerie Oel-Früh, Hamburg

2004/ Verkehrslage, Galerie Zero, Berlin

 

Gruppenausstellungen:

 

2020/ ALLES III

Studio im Hochhaus, Bezirksamt Lichtenberg, Berlin

2019/ HELTER SKELTER Festival, Kulturpalast Wedding International, Berlin

ALLES II, Studio im Hochhaus, Bezirksamt Lichtenberg, Berlin

Chrystal Ball Supermarché, Galerie Chrystal Ball Berlin

2018/ Outside the Black Hole, Hilbert Raum, Berlin

2017 *A Juried Show Of The Status Quo Group Show

Kulturpalast Wedding International, Berlin

2016/Sammlung Breker, Studio 45, Hamburg

2015/Oel - Früh Residenz / Haus Seepferdchen

Bullerdeich 7 (Wiese am Park), Hamburg

zeitgenössische Positionen im Salon des Haus Seepferdchen mit:

Jan Köchermann, Xenia Lesniewski, Anna Nero, Aleen Solari, Line Wasner

2014/Zeichnungen/GalerieRaum Anne Mundo, Berlin

copyleft #1/ COPYRIGHTberlin Ute Lindner + Patrick Huber /temporarily at

Markgrafenstr. 58/ Berlin

2013/art books wanted/Edition Lidu/B1 Centre for contemporary design, Prague

2012/ Weihnachtsausstellung/Galerie Vero Linzmeier, Berlin

Last Edition/Galerie Oel-Früh, Hamburg

2011/ Weihnachten mit den Beatles/Galerie Chrystal Ball, Berlin

Salto gehockt, Temporäre Kunsthalle des vdek, Berlin

Zeichnungen/Galerie Vero Linzmeier, Berlin

2010/zu Hause Kunst, kuratiert von Kerstin Wagener, Berlin

Triangle Arts Workshop/Open Studios, Brooklyn, New York City

5. Geburtstag, Galerie Linda, Hamburg

Zine Showcase - Montgomerys Cafe, Glasgow

2009/Blätter als Mieter (with Maria Zillich), Max - Beer - Str. 6, Berlin

generations - twenty german years, Kunsthalle Brennabor, Brandenburg

Formation 65 x 16 x 6,5 Meter (curated by M.V.Stein), Uferstudios, Berlin

Automatencasino, Ostrale Salon, Dresden

Kook Gala, Sophiensäle, Berlin

2008/ Anonyme Zeichner, Künstlerhaus Bethanien, Berlin

.HBC, Haus Ungarn, Berlin

Emmi‘s room at the Ostrale, Dresden

Wölfe, opening of the Uferhallen, Berlin

Höhlenmenschen, (with Timo Pitkämö), Galerie Linda, Hamburg

2006/ Toll Toll Toll! (with Anne Dettmer), Galerie Kurt im Hirsch, Berlin

Egoshooting, stage design for a theatre play directed by Berit Schulz.

2005/ 2. Geburtstag, Galerie ZERO, Berlin

Labyrinthe, Kunstverein Eisenturm, Mainz

2004/ Landpartie, Kulturbrauerei, Rothenburg o.d.T.

Gerüste, Kunstverein Schwerte (with K. Wenzel and C. Zwiener), Schwerte

D.O.G., compact_space, Berlin

2003/ Beauty & Importance (with Timo Pitkämö),

Galerie Kurt im Hirsch, Berlin

2002/ Fernsucht, Schönhauser Allee 167c, Berlin

2001/ Turmbau in der Wohnung, (Diplomarbeit), Rainer-Maria-Rilke-Str.1/EG, Weimar

 

 

Über die Bildserie "Emmi's room"

von Korvin Reich

2010

Allerletzte Spuren

oder: Was von einem Leben übrig bleibt

Eine Wohnung übergeben. Besenrein. Der Umzug hat bereits stattgefunden, die Räume

sind leer. So gut wie leer. Was sich in diesem Zustand der Wohnungs-Auf-Lösung noch

anfindet, ist hartnäckig: Reißzwecken, Staubnester, Kleingeld, mumifizierte

Fliegenkörper.

Zeugen eines längst über-lebten Daseinsabschnitts, wertlos, sich nun demaskierend als

Müll und Schmutz, überall anders, überall gleich. Es scheint ebensoviel Mühe zu kosten

wie der Umzug selbst, auch die allerletzten Spuren zu beseitigen.

Die Bilder Line Wasners vom Zyklus „Emmi's Room“ zeugen von diesen hartnäckigen

Spuren eines Lebens oder Lebensabschnitts, Zeichen, die sich überall ähneln, Chiffren

sind, aber dennoch, verborgen und gleichzeitig unverblümt, auf Geschichten verweisen.

Die Chiffren auf den Bildern zeigen diesen Charakter des Zeichenhaften und

Geheimnisvollen, des immer Unfertigen, Flüchtigen. Der Raum, nachdem die

Gegenstände fort sind, verwe(a)ist noch immer auf deren verlorene Gegenwart und

befindet sich somit im Bereich zwischen gegenständlich und raumhaft-abstrakt.

Die Dinge, die sich noch finden, irgendwann unter einen Schrank gefallen und

vergessen, sind nun zweck-los und gleichsam ins Form-lose übergehend.

Auch Wände sind solch stumme Lebenszeugen: Risse, die alte Tapeten zum Vorschein

bringen, helle Bilderschatten, ein alter Werbekalender, Aufkleber, Flecken. Nach der

Maueröffnung gab es im Ostteil von Berlin viele fast fluchtartig verlassene Altbau

Wohnungen, in deren Wände sich nicht nur ein unbekanntes Leben, sondern auch eine

nun nicht mehr existente Staatsform eingegraben hat.

Line Wasners Bilder erzeugen den gleichen Eindruck unkenntlich gewordener

Individualität, von Fremdartigkeit, von Verlassenheit. Sie erwecken die Illusion, beredt

von vergangenen Lebensgeschichten zu erzählen, doch dieser Impuls bleibt irgendwo

im leeren Raum und läuft sprichwörtlich ins Leere.

Die Arbeiten zu „Emmi's Room“ sind Zeugen, die keine mehr sind: Die Vergänglichkeit

ist nun einmal unerbittlich.

Doch hin und wieder lässt sich vermeintlich eine deutlichere Spur der Leere abtrotzen

und man beginnt, Geschichten und Träume zu suchen, Zusammenhänge, sich

offenbarende Geheimnisse.

Und durch die Hintertür hinein spaziert auf einmal Emmi, als wäre sie nie fort gewesen,

unmittelbar in einer Existenz, die doch machtlos ist gegen den unaufhaltsamen Strom

der Zeit.

 

 

 

MONOPOL

Magazin für Kunst und Leben

Nr. 8/2009 August

Watchlist: Line Wasner

von Daniel Schreiber


An römische Hauswände erinnern sie, die Bilder von Line Wasner, mit ihren vielfachen

Übermalungen und der fast zufällig wirkenden Komposition. Man muss an die

Bildsprache des abstrakten Expressionismus denken, an Cy Twomblys farbberauschte

Kritzeleien oder Willem de Koonings Gestenreichtum: Von ihnen hat die 32-jährige

Berlinerin, die an der Weimarer Bauhaus-Universität und an der Glasgow School of Art

Kunst studiert hat, ihre Maltechniken inspirieren lassen.


Anfangs schuf Wasner Porträtzeichnungen – unter anderem von Angela Merkel, als

diese Kanzlerin wurde. Die Linien dieser Arbeiten wirken so, als wollten sie mit aller

Macht ihre beschreibende Funktion sprengen. Sowohl die Bewegung zur Malerei als

auch die Entwicklung zur Abstraktion sind den Werken hart abgerungen. Minutiös kann

man nachverfolgen, wie die Künstlerin versuchte, immer mehr zu reduzieren, so lange,

bis die Bilder nicht trotzdem, sondern wieder funktionierten.

Am deutlichsten tritt Wasners malerische Souveränität in „Emmi's room“ hervor, ihrem

Zyklus aus den vergangenen beiden Jahren. Emmi ist eine imaginäre Figur, wie die

Künstlerin sagt, ein hilfreiches Konstrukt. Die Leinwände stellen die Spuren ihres

vergangenen Lebens dar. Ein kleiner Kopf verbirgt sich hinter leuchtenden Farbflächen,

die wie abgerissene Tapetenfetzen wirken. Minimale, fast kindliche Linien erstrecken

sich in die vielen Abstufungen des Weiß des Hintergrunds. Prekär und feminin wirkt das

und verneigt sich vor den klassischen Vorbildern, ist aber zugleich weit von ihnen

entfernt.

 

 

 

Liebe Freunde der Kunst,

Lieber Zeit, liebe Raum – – –

Text zur Eröffnung der Ausstellung "Lieber Zeit, liebe Raum" im Alten

Schlachthof Sigmaringen / August 2015

von Maren Gebhardt

 

vermutlich haben Sie sich gefragt: müsste es nicht heißen: liebe Zeit, lieber Raum?

Schön, dass Sie trotzdem gekommen sind.

Lassen wir die grammatikalische Verdrehung im Titel erstmal beiseite, so sehen wir,

dass sich Line Wasner, die diesjährige Gastkünstlerin des Werkaufenthalts, nichts

Geringeres als die Grundparameter unseres Daseins vorgenommen hat: Zeit und

Raum.


Zeit und Raum sind ihr Material und beides beherrscht sie meisterhaft. Im Vertrauen

darauf, dass ihre Materialien ja vorhanden sind, folgte sie dem Ruf in den Schlachthof

und dem Prinzip Werkaufenthalt entsprechend vorbereitet: sie kam mit nichts im

Gepäck, um sich unvoreingenommen voll und ganz auf die örtlichen Gegebenheiten

einzulassen.

Allerdings offenbart ein erster Blick in die Schlachthalle: das ist schon eine recht

seltsame Veranstaltung geworden hier. Fleckige Tücher, abgehängte Maschinen,

notdürftig angebrachte Gemälde, ein abgelegter Marktschirm. Dafür schmückende

Windhosen. Es macht den Anschein, dass sich hier in den zurückliegenden sechs

Wochen Aktivität eher zurückgezogen hat und nicht Line Wasner, sondern die Zeit hier

gearbeitet hat. Aber Zeit und Raum sind eben tatsächlich Material. Bereits in einer

früheren Serie von Bildern –“Emmi‘s Room“ – malte sie auf Leinwand Zimmerwände

der fiktiven Person Emmi, an denen in verschiedenen Schichten von Spuren der

fiktiven Vormieter ablesbar waren. Mittlerweile gehört es zu ihrer bevorzugten

Arbeitsweise in tatsächlich vorhandenen Räumen zu arbeiten. Sie tritt mit ihnen in

einen Dialog, reagiert auf vorhandene Hinterlassenschaften und bettet fiktive

unmerklich ein.


Aus Vor- und Rückverweisen knüpft sie ein Zeitgeflecht, das hier im Schlachthof ein

beachtliches Maß an Komplexität erreicht. Die Zeitebenen sind zwar stellenweise auch

als physische Schicht aufgetragen, aber darüber hinaus arbeitet sie formal wie

inhaltlich mit subtilen Zeitlügen.

Ich möchte dies exemplarisch an zwei Objekten erläutern:

Mit den Hussen über den Drehkurbeln blendet sie die Funktionalität und frühere

Funktion der Schlachthalle aus. Zugleich erhalten die solcherart präparierten

Maschinenteile die Form eines Zeitmessers, die allerdings nicht gleich getaktet sind –

Sie ahnen schon …

Aber damit nicht genug. Dort hinten hängt ein kleines unscheinbares Ölgemälde. In

seiner Farbigkeit und mit seinem Motiv knüpft es an das Genre der Interieur-Malerei

an. Abgesehen davon, dass man beim Gedanken an Interieur-Malerei eher

Wohnräume oder höchstenfalls Ateliersituationen vor dem inneren Auge vorbeiziehen

lässt, weniger frühe industrielle Arrangements, ist es darüberhinaus irritierend, dass

besagte Hussen mit im Bild festgehalten sind. Wir befinden uns aber in genau diesem

abgebildeten Raum, wissend, dass Line Wasner diese Arbeit hier in den letzten sechs

Wochen angefertigt hat. Wir als Betrachter sind somit selbst als Bezugspunkt in das

Zeitgeflecht eingebunden.

Um mit verschiedenen Zeitebenen und Spuren zu arbeiten, die von fiktiven oder realen

Personen hinterlassen worden sind, hat Line Wasner einen Weg gesucht Zeit nicht

linear denken zu müssen. Denn jede Spur eröffnet einen neuen, parallelen Weg zu

einer Person, die inzwischen längst woanders ist. Bei dieser Suche danach, diese

verschiedenen Rollen zu „managen“, ist sie auf den Begriff der gebrochenen

Zeitlichkeit gestoßen. Der Begriff ist dem Buch „Gespenster meines Lebens“ des

britischen Kulturwissenschaftlers Mark Fisher entlehnt, der wiederum auf Jacques

Derridas Buch „Marx‘ Gespenster“ verweist. Ich darf Ihnen mit Mark Fisher eine kleine

Einführung in die Gespensterkunde geben. Es heißt bei Fisher (Zitat): „Die Gestalt des

Gespensts ist daher insofern bedeutsam, als ein Gespenst nicht vollkommen präsent

sein kann. Es hat kein Sein an sich, sondern markiert die Beziehung zu einem nicht-

mehr oder noch-nicht.“

Das Bild des Gespensts erlaubt es Person und Präsenz zu entkoppeln und auf diese

Weise auch den liearen Zeitgedanken aufzubrechen.

Wir als Betrachter sind zwar mit der physischen Präsenz der Spuren konfrontiert, aber

genau die Ungewissheit über das „nicht-mehr“ oder „noch-nicht“ dahinter, ob echt oder

Fake oder gar Gespenst, verunsichert uns.

Der Verunsicherung Schützenhilfe leistet leider auch die formale Umsetzung.

Meterweise ver- und bearbeitet Line Wasner Leinwandstoff, aber nicht um als

Flachware an der Wand gleich zum Verkauf zu stehen, sondern um als

dreidimensionale Objekte im Raum Fragen aufzuwerfen. Warum Leinwandobjekt?

Warum Streifen? Sind die echt? Diese Frage immerhin lässt sich bei genauem Hinsehen

klären: echt. Sie sind im wahrsten Sinne materialisierte lineare Zeit. Warum aber

dieser Aufwand? Nichts wäre einfacher gewesen hier am Rande der Alb, der einstigen

Hochburg der Textilwirtschaft, den passenden Stoff zu erwerben und sich diese Mühe

zu sparen. In unserer Zeit, in der wir durch technische Neuerungen eigentlich immer

mehr Zeit gewinnen (gewinnen wollen) und trotzdem immer erschöpfter sind,

manifestiert sich in den handgemalten Streifen ein sich Stemmen gegen die verdichtete

Zeit im echten Leben. Der körperliche Einsatz ist den Streifen anzusehen, gerade so,

wie das Streifentuch am Boden sorgfältig arrangiert ist und keine Stofffalte dem Zufall

überlassen ist. Die Streifen und die stellenweise durch Stofffalten zueinander

verschobenen Streifen, lassen an optisch gewollte Effekte einer Bridget Riley denken.

Ein Hinweis darauf, dass sich Line Wasner zeitweise als Theatermalerin verdingt, lässt

vermuten, dass sie sich mit der Fernwirkung von Form, Formaten und Farben

auskennt. Doch die im Gegensatz zu Riley jede für sich lebendige einzelne

Streifenbahn, das malerische Moment sowie die Lust am überdimensionalen Format

jenseits der DIN-Formate führt im Zusammenhang mit der Theatermalerei zu einem

anderem Schlüssel, der Kulisse. Die Theaterkulisse ist reine Vortäuschung, vor der die

Schauspieler auf der Bühne präsent sind, darauf können Sie sich aber in diesem

Etablissement nicht verlassen, zumal Sie selbst Akteur sind. Es bleibt Ihnen nur genau

hinzuschauen und ab und an die Unsicherheit auszuhalten, ob nicht unter der ganzen

Leinwand weitere Gespenster verborgen sind.

 

Lieber Zeit, liebe Raum – bis in den Titel der Ausstellung verfolgt Line Wasner ihre

Arbeitsweise. Mit dieser freundschaftlichen Anrede ihrer beiden ständigen Gefährten

zitiert sie das in die Jahre gekommene Kommunikationsmedium Brief als ob die beiden

abwesend wären – Gespenster?! Die grammatikalische Verdrehung wirkt dabei wie ein

handgemalter Streifen: man muss zweimal hinschauen und stolpert trotzdem über die

Absicht. Zugleich beginnt sie mit der Anrede eine Erzählung, die sie hier in der Halle

mit bildkünstlerischen Mitteln fortsetzt. Das Vergnügen dieser Lektüre überlässt sie und

überlasse nun auch ich Ihnen.

 

 

 

aus dem Pressetext zur Ausstellung Liebe und Aneignung

im Raum für drastische Maßnahmen Berlin 2015

 

 

Den einzigen Zugang zur Wirklichkeit des Planeten Mars bietet derzeit

die Weltraumfotografie. Apparate sind darauf programmiert,

Bilder in möglichst viele Richtungen aufzunehmen.

So entfällt die menschliche Hand am Auslöser mitsamt

ihren subjektiven Ideen. Das Naturstudium des Mars

besteht für den Maler in der Betrachtung von unter solchen

Bedingungen gemachten Bildern.

Hängt die Vorstellung von der Wirklichkeit von der Reihenfolge

ab, in der Medien ihr begegnen? Welche Rolle spielen körperliche

Erfahrungen beim Abbilden?

Diese Ausgangssituation ist

Anlaß für Line Wasner, den Begriff der Aneignung auf die Malerei anzuwenden.

In diesem Transformationsprozess wird das Verhältnis dieser Abbildungen und deren

Aneignung untersucht.